Wohngruppe KAYA gewinnt den „Guten Preis“

Nachhaltigkeitspreis wurde zum 3. Mal von Diakonie und Evangelischer Bank vergeben

GewinnerInnen des Guten Preis 2019
Preisverleihung „Der gute Preis“ (Personen v.l.n.r.: Roman Braun-Hüttner mit Jugendlichem der Caritas in OÖ; Roman Walter, Evang. Bank Deutschland; Verena Böhm, Diakonie Zentrum Spattstraße; Maria Katharina Moser, Diakonie Österreich; Ina Kreimer, Evang. Bank Deutschland; Petra Fehnenberger, Volkshilfe NÖ; Georgia Sever und Sigrid Awart, Verein Peregrina) Foto: Barbara Krobath

Dienstagabend wurde zum dritten Mal „Der gute Preis“ für gemeinnützige Projekte gemeinsam von Diakonie Österreich und Evangelischer Bank vergeben. Die sieben nominierten Projekte helfen nicht nur Menschen in Not, sondern verpflichten sich auch speziell sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit.

Die Gewinnerprojekte

Das Projekt „Wohngruppen KAYA“ des Diakonie Zentrums Spattstraße belegt den ersten Platz beim Nachhaltigkeitspreis „Der gute Preis“ 2019.

Das zweitplatzierte Projekt heißt „Food-Truck SPEISEWAGEN“ der Caritas Oberösterreich. Den dritten Platz belegen die Projekte „Beratung im Gehen – Neue Wege der Berufsorientierung für Migrantinnen“ des Vereins Peregrina und „Ferien am Meer – die aktiven, integrativen, kreativen Kinderferien“ der Volkshilfe Niederösterreich.

Alle nominierten Projekte fokussieren neben ihrer sozialen Zielsetzung auf ökologische Verantwortung, Gesundheit am Arbeitsplatz, Inklusion, Gender Equality oder Barrierefreiheit.

Gewonnen haben die „Wohngruppen KAYA“

Das Siegerprojekt „Wohngruppen KAYA“ wurde von einer zehnköpfigen Jury aus Wissenschaft, Forschung, Medien und Wirtschaft gewählt. In zwei Wohngruppen werden junge Menschen mit Essstörungen medizinisch, therapeutisch und sozialpädagogisch betreut. Das in Österreich einzigartige Projekt ist Betroffenen aus dem ganzen Bundesgebiet zugänglich.

Der Nachhaltigkeitspreis

Im Rahmen der Preisverleihung am 26. März 2019 konnte das Siegerprojekt den mit 10.000 € dotierten Nachhaltigkeitspreis und den Siegerpokal, gestaltet von Christoph Eder, Künstler des Ateliers der Diakonie de La Tour, übernehmen.

Die zweit- und drittplatzierten Projekte haben einen Geschenkkorb mit Produkten der Gärtnerei und Bioladen Friedenshort des Diakoniewerks sowie eine Urkunde erhalten.

Mehr Info zum „Guten Preis“

Alle nominierten Projekte und Informationen zum „guten Preis“ finden Sie unter:  www.dergutepreis.at

Wohngruppen KAYA – sozialtherapeutische Wohngruppen für junge Menschen mit Essstörungen

Das Diakonie Zentrum Spattstraße bietet zwei einzigartige Wohngruppen in Österreich speziell für Jugendliche ab 12 Jahren und für junge Erwachsene bis ca. 30 Jahren mit Essstörungen.

Betroffene können mit Hilfe der Wohngruppen Kaya mit medizinischer, therapeutischer und sozialpädagogischer Unterstützung einen Weg aus der Essstörung finden.
Der Name KAYA kommt aus dem Indianischen und bedeutet große Schwester. Er weist darauf hin, dass den Betroffenen eine eigene Ansprechperson zur Seite steht. Jede/r Betroffene wird individuell und abgestimmt auf ihre Bedürfnisse begleitet. Während die jungen Menschen in der Wohngruppe leben, können sie eine Schule besuchen, einer Ausbildung nachgehen oder einen Beruf ausüben.

Jede Wohngruppe bietet 8 Therapieplätze für Jugendliche ab 12 Jahren und für junge Erwachsene bis ca. 30 Jahre mit Anorexia nervosa (Magersucht) oder Bulimia nervosa (Ess-Brechsucht). Die Jugendlichen werden von unserem interdisziplinären Team. Es sind engagierte Fachkräfte mit Qualifikationen in Medizin, klinischer Psychologie, sozialer Arbeit, Diätologie, Sozialpädagogik und psychiatrische Krankenpflege. Die Betreuung erfolgt rund um die Uhr (mit Nachtdienst) das ganze Jahr über. Darüber hinaus wird intensiv mit Psycho-, Ergo-, Physio- und KörpertherapeutInnen zusammengearbeitet.

Das Diakonie Zentrum Spattstraße leitet die Vision, allen Kindern und Jugendlichen ein Leben in Würde, Sicherheit und Geborgenheit zu ermöglichen.

Das Projekt ist richtig gut, weil…

…wir die einzige derartige Einrichtung in Österreich sind und mit Herz, Wissen und Engagement die betroffenen jungen Menschen aus den Weg der Essstörung begleiten.

Begründung der Nominierung durch die Jury

Ich nominiere das Projekt Kaya, weil es ein Projekt ist, das da ist für Mädchen und junge Frauen, die durch eine schwere Zeit gehen. Es ist gut und nachhaltig, weil es zum Ziel hat, sie in ihrem Selbstbild zu stärken- und das erscheint mir wichtiger denn je!

FERIEN AM MEER – die aktiven, integrativen, kreativen Kinderferien

Für jedes Kind ist der Kontakt mit anderen Kindern enorm wichtig. Kinder mit besonderen Bedürfnissen brauchen für ihre gedeihliche Entwicklung besonders viel sozialen Rückhalt in ihrem Umfeld. Die intensive Sorge um ein behindertes Kind bedeutet für viele Familien den Verzicht auf Einkommen. Beeinträchtigten Kindern in armutsbetroffene Familien bleiben deshalb Ferienaufenthalte meist verwehrt. Das wollen wir ändern!

Hier entstehen Freundschaften und Netzwerke, die über die  Ferien hinaus währen.

„Ferien am Meer – die aktiven, integrativen, kreativen Kinderferien“ ermöglicht Kindern mit unterschiedlichsten Entwicklungsbedingungen, Bedürfnislagen und Beeinträchtigungen 14 Tage gemeinsame Ferien am Meer. Sonne, Baden, Spiel & Spaß, Sport & Action stehen auf der Tagesordnung. In entspannter, lustiger Atmosphäre lernen die Kinder im Alter von sieben bis vierzehn Jahren – zumeist aus armutsbetroffenen Familien – einander kennen und auf spielerische Weise auch voneinander.

Das Projekt wird von der Volkshilfe Niederösterreich umgesetzt.

Das Projekt ist richtig gut, weil…

… gerade Kinder mit besonderen Bedürfnissen in armutsbetroffenen Familien ein paar unbeschwerte Ferientage am Meer verdienen und sozialer Rückhalt für sie ganz besonders wichtig ist.

Beratung im Gehen – neue Wege der Berufsorientierung für Immigrantinnen

„Gehen im Grünen mit dem Blick in die Weite setzt Gedanken und Fantasien frei, öffnet einen für die Zukunft.“ (Klientin, 2016)

Das Projekt setzt sich zum Ziel, mit Hilfe der innovativen Methode „Beratung im Gehen“ Migrantinnen ‒ eine der am Arbeitsmarkt am meisten benachteiligten Gruppen ‒ in der Erweiterung ihres Berufsspektrums zu unterstützen. Es handelt sich dabei um ein Teilprojekt des Netzwerks „Mehr Sprachen“ mit den Partnerorganisationen Lefö (Projektträgerin), Miteinander Lernen – Birlikte Ögrenelim und Orient Express, gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Zwei Bildungsberaterinnen, mit Unterstützung von zwei Praktikantinnen, setzen diese Maßnahme in Peregrina um.

Der Aufenthalt im Grünen trägt nicht nur zur Vermeidung und Behandlung von Stress und Depressionen bei, sondern ebenso zur Bereitschaft sich mehr zu bewegen und hat auch hat eine sozialintegrative Funktion, besonders für marginalisierte Personengruppen.

Im Projektzeitraum März 2016 bis Dezember 2018 wurde anhand von Recherchen, ExpertInneninterviews sowie Pilotberatungen im Gehen mit Klientinnen und Intervisionen mit Kolleginnen ein Methodenkonzept für die individuelle Beratung sowie Fortbildungscurriculum erstellt. Dieses wurde in Seminaren und Infoveranstaltungen an andere Beraterinnen im Migrationskontext aus ganz Österreich weitergegeben, damit auch sie diese im deutschsprachigen Raum noch sehr wenig bekannte Methode anwenden können.

Beratung im Gehen hat sehr viele Vorteile, ist aber nur unter bestimmten Bedingungen möglich, die wir in einer Checkliste zusammengefasst haben. Zu den Voraussetzungen gehören beispielsweise Freude am Gehen, Beratungsraum für Erst- und Abschlussgespräch, ruhige und erprobte Routen, Beratungserfahrung oder geeignetes Wetter.

Das Projekt wird von dem seit 1984 bestehenden Bildungs-, Beratungs- und Therapiezentrum Peregrina umgesetzt.

Das Projekt ist richtig gut, weil…

…es nicht nur zur beruflichen Etablierung von Migrantinnen beiträgt, wodurch sich deren finanzielle Situation, gesellschaftliche Anerkennung und Sprachkenntnisse verbessern ‒ sondern es auch eine kreative, gesundheitsfördernde und transfergeeignete Innovation ist!

Begründung der Nominierung durch die Jury

Das Projekt „Beratung im Gehen“ wird für „der gute Preis“ nominiert, weil es beispiellos soziale und ökologische Aspekte verknüpft und gleichwohl die individuelle wie auch die systemische Ebene anspricht. Die Methode ist auf viele andere Bereiche anwendbar und ist damit eine innovative Bereicherung für das Empowerment unterschiedlichster Zielgruppen.

Bildungsort „Frauenwerkstatt“

Mit dem Projekt „Frauenwerkstatt“ wendet sich die Kattunfabrik-Das CutureLab explizit an geflüchtete Frauen und bietet ein Programm nur für diese an. Frauen sind in der Textilproduktion in doppelter Hinsicht benachteiligt: schon in ihren Heimatländern fehlt oft die nötige Ausbildung, die Bezahlung war schlechter, der Zugang zum Arbeitsmarkt durch patriarchale Strukturen schwierig.

Die selbst genähten Kleidungsstücke der „Frauenwerkstatt“ können sich sehen lassen.

Das Programm „Frauenwerkstatt“ richtet sich nun im Speziellen an diese Frauen. Zwar hat die Kattunfabrik-Das CutureLab in den vergangenen Jahren immer einen gleichen Anteil an Frauen und Männern betreut, die Erkenntnisse dieser Arbeit haben jedoch gezeigt, dass in einem Programm, in dem ausschließlich Frauen ausgebildet werden, gewisse Ziele besser erreicht werden können. Die Themenbereiche Eigenverantwortung im Arbeitsleben und Selbstbewusstsein sollen im Fokus der Ausbildung stehen. Durch die gezielte Vermittlung von Theorie und Praxis sollen die gegebenen geschlechterspezifischen  Benachteiligungen kompensiert werden.

Seit 2015 bildet die Kattunfabrik-Das CutureLab Menschen fort, die bereits in der Textilindustrie gearbeitet haben. Fachsprache, Technik, Theorie und Standards werden in 150 Stunden an Menschen vermittelt, die neu in Österreich sind.

Das Projekt ist richtig gut,weil…

…wir Menschen auf Augenhöhe die Möglichkeit geben, sich in ihrem angestammten Job Skills anzueignen, die für den veränderten Arbeitsmarkt notwendig sind.

Begründung der Nominierung durch die Jury

Die Kattunfabrik – Das CutureLab stellt das Verbindende über das Trennende und hilft geflüchteten Textilarbeiter/innen durch Ausbildungsprogramme, sich selbst zu helfen. Es beschleunigt dadurch nicht nur die Integration in den österreichischen Arbeitsmarkt, sondern schafft nebenbei Bewusstsein für die Problematiken und Rahmenbedingungen der Textilindustrie. Ihre Vision ist klar: „Das Verhalten der Konsumenten zu sensibilisieren. Gute, gesunde und nachhaltige Kleidung soll für alle Menschen gleich zugänglich sein und Geflüchtete sollen in der Kattunfabrik zu Botschaftern dieses globalen Wandels gemacht werden.“ Und die Zahlen sprechen für sich: Seit 2015 haben 150 Teilnehmer/innen die im Schnitt vier Monate dauernden Programme der Kattunfabrik durchlaufen, 100 weitere Personen sind derzeit auf der Warteliste.

Das neue Programm „Frauenwerkstatt“ richtet sich speziell an geflüchtete Frauen und unterstützt diese bei der Integration in den Arbeitsmarkt – eine Aufgabe von höchster Relevanz, Aktualität und Wichtigkeit.   

Die Textilproduktion braucht tragfähige und nachhaltige Konzepte, der österreichische Arbeitsmarkt gutausgebildete Fachkräfte. Die Kattunfabrik – Das CutureLab schafft beides.                        

Make-A-Wish-Foundation® Österreich

Ein Kind inmitten von Sturmtrupplern.

Fast 100 Ehrenamtliche begleiten unsere Wunschkinder auf ihrer Reise:

Zu zweit besuchen sie jedes Kind, finden mit ihm den Herzenswunsch heraus und setzen ihn mit Liebe zum Detail um – es soll ein unvergessliches Erlebnis für das Kind und seine Familie sein. Die Wünsche sind so vielfältig wie die Kinder: das Idol persönlich treffen, mit einem Sterne-Koch gemeinsam kochen, mit einem Ballon in den Himmel steigen, oder zum ersten Mal das Meer sehen – alles weit weg vom Krankenhaus, um die oft jahrelangen Behandlungen, Angst und Schmerzen zu vergessen.

Wie auch immer die Herzenswünsche aussehen, eines haben sie alle gemeinsam – werden sie erfüllt, fassen die Kinder neuen Mut und können Leid und Krankheit für einige Zeit vergessen.

Die Wünsche sind so vielfältig wie die Kinder selbst.

Wir glauben an die Magie eines Herzenswunsches und seiner Erfüllung, weil wir davon überzeugt sind, dass dies die Genesung der Kinder unterstützt.

Uns geht es um mehr als nur ein Lächeln und ein Funkeln in den Augen; wir wollen dass die Kinder an das scheinbar Unmögliche und ihre ureigene innere Kraft glauben.

Bei unseren Wunscherfüllungen arbeiten wir eng mit Ärzten und Psychologen zusammen und wissen daher, dass für sehr viele Kinder eine Wunscherfüllung ein positiver Wendepunkt in der Behandlung sein kann.

Die Make-A-Wish Foundation Österreich ist seit April 1997 in Österreich aktiv und hat seither über 1.300 Wünsche schwerstkranker Kinder erfüllt.

Das Projekt ist richtig gut, weil…

…wir Mitgefühl statt Mitleid schenken, nützliche Taten statt großer Worte und alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um Kinderaugen zum Strahlen zu bringen und mit der Erfüllung ihrer größten Träume und Herzenswünsche eine positive Wirkung auf die Situation und vielleicht sogar auf das  ganze Leben unserer Wunschkinder  bewirken.

Begründung der Nominierung durch die Jury

Die Make a Wish Foundation erfüllt kranken Kindern ihre Herzenswünsche.  Was auf den ersten Blick vielleicht als nicht existenziell wichtig erscheint, ist es aber auf den zweiten Blick. Denn kranken Kindern eine Freude zu machen kann ihren Genesungsprozess positiv beeinflussen, und so sie vielleicht sogar am Lebens halten  – schon allein deshalb schätze ich die Arbeit der Make a Wish Foundation. Doch es ist nicht nur die Wunscherfüllung die sich so positiv auf die Kinder auswirkt. Zunächst einmal muss der Herzenswunsch gefunden werden. Alleine die Beschäftigung, das Tag-Träumen von schönen Dingen ist eine Freude im schwierigen Krankenalltag. Kranken Kindern eine Freude machen ist auch eine enorme Unterstützung für die Eltern, die ebenfalls schwer belastet sind mit der Situation. Die Make a Wish Foundation arbeitet mit den Kinder-Abteilungen der Spitäler zusammen und sucht so die Kinder aus. Es gibt keine sozialen Differenzierungen. So werden Kindern aus sozial schwachen Familien Wünsche erfüllt, die ihre Eltern ihnen aufgrund ihrer Lebenssituation nicht erfüllen könnten. Somit hat die Arbeit der Make a Wish Foundation auch eine gesellschaftliche Funktion. Das ist ein Punkt der meiner Einschätzung nach besonders hervorzuheben ist.

Und das alles basiert auf ehrenamtlicher Arbeit. Bis auf einige wenige Angestellte sind es die Freiwilligen, die den Kindern ihre Wünsche erfüllen oder Geld für diese Wünsche auftreiben. Die ehrenamtlich tätigen WunscherfüllerInnen investieren viel Zeit und Emotionen bis der Herzenswunsch gefunden und anschließend erfüllt ist.

Projekt „Kreativ.Wettbewerb“

Der „Kreativ.Wettbewerb“ wird jährlich zu einem bestimmten Thema ausgeschrieben. Die eingereichten Kunstwerke (Bilder, Collagen, Skulpturen, etc.) werden im großen Veranstaltungsraum Sky Dome des Wiener Hilfswerks für eine Woche ausgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine renommierte Jury aus Professor*innen der Universität für angewandte Kunst in Wien und anerkannten Künstler*innen wählt in der Regel drei herausragende Werke aus. Die Preisträger werden im Rahmen einer festlichen Veranstaltung prämiert. Die Veranstaltung findet im Beisein von Ehrengästen aus der Politik und Bildung in von unterschiedlichen Institutionen zur Verfügung gestellten Ausstellungsräumen statt: Z. B. 2018 im Technischen Museum Wien, 2017 im Veranstaltungsraum Wien Energie, etc.

Das Projekt wurde von der ersten Generation der Künstler aus Gugging inspiriert. Als Patienten der Nervenheilanstalt Maria Gugging (NÖ) wurden diese in den 1950er-Jahren von ihrem Psychiater Leo Navratil zum Zeichnen angeregt. Navratil interessierte zu Beginn der diagnostische Wert der Arbeiten, bald aber erkannte er die Begabung einiger Patienten und begann sie zu fördern und ihre Werke der Kunstwelt vorzustellen. 1970 fand ihre erste Ausstellung in der Galerie nächst St. Stephan in Wien statt. Heute sind diese Künstler weltbekannt und ihre Werke sind in vielen Museen zeitgenössischer Kunst vertreten.

Das Projekt bietet künstlerisch interessierten Menschen mit Behinderung eine Plattform sich und ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren, ihr kreatives Potential zu entfalten und nicht zuletzt auf dieser Weise auch weit verbreitete gesellschaftliche Vorurteile abzubauen.

Da dem Wiener Hilfswerk drei Freizeiteinrichtungen für Menschen mit Behinderung (Aktionsraum, Spielothek, Club 21) angehören, wo die Besucher*innen regelmäßig ermutigt werden, sich kreativ zu betätigen, kristallisierte sich im Laufe der Zeit die Idee heraus, einen Wettbewerb österreichweit auszuschreiben.

Mehr als 600 Werke mit sehr originellen Darstellungen und Interpretationen zu nachhaltigen Themen wurden seit der Entstehung des Projekts eingereicht.

Am Wettbewerb beteiligten sich bisher ca. 80 Prozent Einzelpersonen und ca. 20 Prozent Künstler*innen-Gemeinschaften aus allen Bundesländern. Die Teilnehmer*innen zeigten Aufgeschlossenheit und Begeisterung gegenüber „neuen Medien“, ebenso große Experimentierfreude, was Formen, Materialien und Farbgebung betrifft.

Bekanntlich bewirkt freies kreatives Schaffen eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Person und mit der Umwelt. Egal, ob es sich um Menschen mit oder ohne Behinderung handelt. Die eigenen Werke öffentlich auszustellen, unabhängig von Einflüssen und Mechanismen des Kunstmarktes, bedeutet mit den Mitmenschen in Dialog zu treten und spontane Anerkennung zu erfahren. Durch die Anerkennung der Kunst von Menschen mit Behinderung verändert sich der Blick der Öffentlichkeit auf diese Menschen: Sie sind nicht mehr Hilfsbedürftige, sondern produktive Mitglieder dieser Gesellschaft.

Seit 17 Jahre wird der „Kreativ.Wettbewerb“ vom Hilfswerk Wien durchgeführt…

Das Projekt ist richtig gut, weil…

…es Menschen mit Behinderung die Möglichkeit gibt, ihr künstlerisches Schaffen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, Anerkennung zu erfahren und sich selbst als produktive Mitglieder der Gesellschaft wahrzunehmen und auch von ihren Mitmenschen als solche wahrgenommen zu werden.

Street-Food-Projekt „Speisewagen“

Im „Speisewagen“ treffen Genuss, Inklusion und Spaß an der Arbeit aufeinander. Gemeinsam mit einem Ausbildner bereiten die Jugendlichen in der „mobilen Küche“ die Gerichte zu und erlernen nebenbei ganz automatisch wichtige Fertigkeiten für den späteren Berufseinstieg.

Das Besondere am Projekt ist, dass benachteiligte Personen (Beeinträchtigungen, Lernschwächen, Entwicklungsverzögerungen, Sozio-emotionale Beeinträchtigungen, usw.) im Wagen mitarbeiten und so im Sinne der Inklusion ganz ungezwungen und natürlich mit anderen Menschen in Kontakt kommen können.

Mehrmals wöchentlich hält der „Speisewagen“ an verschiedenen Standorten in Oberösterreich und bietet Mittagsmenüs sowie Catering an.

Der Speisewagen steht auf kirchlichen Plätzen, bei Streetfood-Festivals und bietet Firmencatering zur Mittagszeit an. Die Jugendlichen sind dabei nicht nur hinter dem Kochtopf, sondern direkt in der Essensausgabe. Erstmals geht die Ausbildung hinaus zu den Menschen in die Gesellschaft. Inklusion wird selbst in die Hand genommen und direkt zu den Menschen getragen. Vorrangig ist dabei nicht einfach die Ausbildung von Jugendlichen, vielmehr soll gezeigt werden, wieviel Potential, Kreativität und Engagement in den Jugendlichen steckt. Darüber hinaus bietet der Foodtruck eine Projektionsfläche für unterschiedlichste soziale Themen, die beispielsweise durch die Speisen (Thema Nachhaltigkeit, Regionalität) thematisiert werden können. Gekocht werden hausgemachte, regionale Speisen mit saisonalen und regionalen Zutaten, das Geschirr ist biologisch abbaubar.

Der Foodtruck wird von einem ausgebildeten Koch gemeinsam mit drei bis vier Jugendlichen betrieben, die in späterer Folge im Gastronomiebereich arbeiten wollen. Die Jugendlichen kommen aus dem Orientierungsprojekt „Berufliche Qualifizierung St. Elisabeth“ der Caritas für Menschen mit Behinderungen, wo Jugendliche in verschiedene Arbeitsbereiche hineinschnuppern und auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Jugendliche aus St. Elisabeth arbeiten jeweils zwei Monate im Speisewagen mit. Eine nachhaltige Wirkung dieses Projektes ist, Jugendlichen mit einer
Beeinträchtigung ein reales Arbeitsfeld in der Gastronomie näher zu bringen. Durch unterschiedliche Situationen (Hygienevorschriften, Stress, sauberes und gründliches  Arbeiten, Kundenkontakt) sollen sei auf mögliche spätere Arbeitssituationen am ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden.

Der Schritt hinaus in die Gesellschaft setzt von den Jugendlichen auch mehr Selbständigkeit voraus. Während in den Lehrküchen immer jemand zum Draufschauen da ist, sind sie beim Speisewagen professionelle Dienstleister. Das geht mit Erwartungen einher, stärkt aber auch ihr Selbstbewusstsein.

Das Projekt soll durch das Auftreten in der Gesellschaft zeigen, dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen oder andere benachteiligte Personen etwas leisten können und Fähigkeiten und Talente haben. Die Jugendlichen rücken vom Rande der Gesellschaft in die Mitte der Gesellschaft. Dadurch können Vorurteile abgebaut und die Chance für mehr Akzeptanz wahrgenommen werden.

Das Projekt wird von der Caritas für Menschen mit Behinderung in Oberösterreich seit Sommer 2018 umgesetzt…

Das Projekt ist richtig gut, weil…

…wir am Zahn der Zeit sind und ein cooles Projekt die Gesellschaft bereichert!

Begründung der Nominierung durch die Jury

Ich, Christoph Schweifer, nominiere dieses Projekt, da es für mich eine wunderbare Verbindung zwischen den Bereichen Menschen mit Behinderung, Jugendbeschäftigung, Inklusion, Ökologie und den Abbau von Vorurteilen und Berührungsängsten darstellt.

Die Arbeit im Foodtruck bereitet die jungen Menschen auf Ihre Zukunft vor, in dem sie tagtäglich nicht nur in gastronomischen Fertigkeiten geschult werden, sondern auch im Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen.

Ich sehe dieses Projekt als große Bereicherung für alle Beteiligten an und denke, dass der innovative Ansatz, die Ausbildung in einen Foodtruck zu legen, durchaus als Vorbild für weitere Projekte dieser Art dienen kann.

Das sind die GewinnerInnen 2017!

„Der gute Preis“ wurde am 9. März 2017 zum zweiten Mal verliehen. Das Siegerprojekt „MOMO- Wiens mobiles Kinderhospiz“ wurde von einer Fachjury aus Wissenschaft, Forschung, Medien und Wirtschaft gewählt. Hier sind alle Siegerprojekte auf einen Blick!

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