Projekt „Kreativ.Wettbewerb“

Der „Kreativ.Wettbewerb“ wird jährlich zu einem bestimmten Thema ausgeschrieben. Die eingereichten Kunstwerke (Bilder, Collagen, Skulpturen, etc.) werden im großen Veranstaltungsraum Sky Dome des Wiener Hilfswerks für eine Woche ausgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine renommierte Jury aus Professor*innen der Universität für angewandte Kunst in Wien und anerkannten Künstler*innen wählt in der Regel drei herausragende Werke aus. Die Preisträger werden im Rahmen einer festlichen Veranstaltung prämiert. Die Veranstaltung findet im Beisein von Ehrengästen aus der Politik und Bildung in von unterschiedlichen Institutionen zur Verfügung gestellten Ausstellungsräumen statt: Z. B. 2018 im Technischen Museum Wien, 2017 im Veranstaltungsraum Wien Energie, etc.

Das Projekt wurde von der ersten Generation der Künstler aus Gugging inspiriert. Als Patienten der Nervenheilanstalt Maria Gugging (NÖ) wurden diese in den 1950er-Jahren von ihrem Psychiater Leo Navratil zum Zeichnen angeregt. Navratil interessierte zu Beginn der diagnostische Wert der Arbeiten, bald aber erkannte er die Begabung einiger Patienten und begann sie zu fördern und ihre Werke der Kunstwelt vorzustellen. 1970 fand ihre erste Ausstellung in der Galerie nächst St. Stephan in Wien statt. Heute sind diese Künstler weltbekannt und ihre Werke sind in vielen Museen zeitgenössischer Kunst vertreten.

Das Projekt bietet künstlerisch interessierten Menschen mit Behinderung eine Plattform sich und ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren, ihr kreatives Potential zu entfalten und nicht zuletzt auf dieser Weise auch weit verbreitete gesellschaftliche Vorurteile abzubauen.

Da dem Wiener Hilfswerk drei Freizeiteinrichtungen für Menschen mit Behinderung (Aktionsraum, Spielothek, Club 21) angehören, wo die Besucher*innen regelmäßig ermutigt werden, sich kreativ zu betätigen, kristallisierte sich im Laufe der Zeit die Idee heraus, einen Wettbewerb österreichweit auszuschreiben.

Mehr als 600 Werke mit sehr originellen Darstellungen und Interpretationen zu nachhaltigen Themen wurden seit der Entstehung des Projekts eingereicht.

Am Wettbewerb beteiligten sich bisher ca. 80 Prozent Einzelpersonen und ca. 20 Prozent Künstler*innen-Gemeinschaften aus allen Bundesländern. Die Teilnehmer*innen zeigten Aufgeschlossenheit und Begeisterung gegenüber „neuen Medien“, ebenso große Experimentierfreude, was Formen, Materialien und Farbgebung betrifft.

Bekanntlich bewirkt freies kreatives Schaffen eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Person und mit der Umwelt. Egal, ob es sich um Menschen mit oder ohne Behinderung handelt. Die eigenen Werke öffentlich auszustellen, unabhängig von Einflüssen und Mechanismen des Kunstmarktes, bedeutet mit den Mitmenschen in Dialog zu treten und spontane Anerkennung zu erfahren. Durch die Anerkennung der Kunst von Menschen mit Behinderung verändert sich der Blick der Öffentlichkeit auf diese Menschen: Sie sind nicht mehr Hilfsbedürftige, sondern produktive Mitglieder dieser Gesellschaft.

Seit 17 Jahre wird der „Kreativ.Wettbewerb“ vom Hilfswerk Wien durchgeführt…

Das Projekt ist richtig gut, weil…

…es Menschen mit Behinderung die Möglichkeit gibt, ihr künstlerisches Schaffen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, Anerkennung zu erfahren und sich selbst als produktive Mitglieder der Gesellschaft wahrzunehmen und auch von ihren Mitmenschen als solche wahrgenommen zu werden.